1. Vorstand

Die Initiative, Patenschaften für unbegleitete minderjährige und jugendliche Asylsuchende (UMA) in der Nordwestschweiz zu organisieren, ist im Experten-Netzwerk von www.innovage.ch entstanden. Der Bedarf an Betreuung erwies sich bald so dringend und umfangreich, dass die Gründung einer eigenen Organisation angezeigt war. Somit wurde der Verein PUMA an der Gründungsversammlung vom 20. März 2018 ins Leben gerufen. PUMA wird weiterhin unterstützt einerseits durch Innovage; zusätzlich besteht eine Zusammenarbeit mit www.vereinkuma.ch, Kompetenzzentrum für minderjährige unbegleitete Asylsuchende, einer Gruppe von Beiständinnen, welche PUMA Erfahrungswissen und Hinweise zu UMA einbringt.

Der Vorstand mit entsprechenden Aufgabengebieten setzt sich im 2017 wie folgt zusammen:

  • Niklaus Freuler                Präsident
  • Catherine Dessemontet Vize-Präsidentin und Bereich UMA/PatInnen/Patenschaften
  • Claudia Uebersax-Vischer Mitglied und Bereich  UMA/PatInnen/Patenschaften
  • Dieter Vogel Mitglied und Bereich Finanzen
  • Beat Kasper Mitglied und Bereich Qualitätssicherung
  • Peter Keel Mitglied und Bereich Logistik

Per Ende 2017 betrug der Mitgliederbestand des Vereins neben dem Vorstand noch ein aussenstehendes Mitglied. Wir möchten, dass unser Verein zukünftig von einer grösseren Anzahl Mitgliedern mitgetragen wird. Alle Mitglieder bezahlen einen Mitgliederbeitrag und arbeiten unentgeltlich. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass unsere Tätigkeit überall sehr willkommen ist, unsere Arbeit als professionell erachtet wird und unser Bekanntheitsgrad wächst. So werden wir regelmässig zu interkantonalen Austauschtreffen eingeladen, an welchen wir auch unsere Erfahrungen darlegen. Dabei stellen wir fest, dass unsere Teilnehmer als einzige eine Generation älter sind und nicht von den Verwaltungen entlöhnt werden.

Unser Auftritt mit einem Stand und Vorstellung am Nationalen Flüchtlingstag und die Schaffung

eines Flyers unterstützen unsere Öffentlichkeitsarbeit mit dem Hauptzweck, zusätzliche PatInnen zu

finden. Inzwischen ist auch die Homepage www.vereinpuma.ch „live“ gegangen.

2. Patenschaften

Das Zustandekommen von Patenschaften geschieht in 3 Schritten: Suche nach InteressentInnen und Gewinnung von potenziellen PatInnen, Zuweisung von UMA, Matching bzw. Bildung eines optimalen Zweierteams von UMA und PatIn sowie Aufgleisung der Patenschaft.

  • Aufbau: Die Gewinnung von InteressentInnen gelang über persönliches Networking, Auflage unserer Flyer oder Erscheinen in einem Newsletter von Quartierzentren/einem Stadtteilsekretariat, einem Inserat bei Benevol, einem Interview in der Basellandschaftlichen Zeitung sowie durch Vermittlung des Internationalen Sozialdienstes. 2017 veranstaltete PUMA im Januar und im November zwei Informationsabende für  insgesamt 27 InteressentInnen. Sie wurden von einer Juristin von KUMA über das Asylwesen und die aktuelle Flüchtlingssituation informiert, erhielten einen vertieften Einblick in das Patenschaftsprojekt und dessen Ziel und hörten von den praktischen Erfahrungen einer Pflegefamilie mit jungen UMA.
  • PatInnen: Seit Sommer 2016 hatten sich im Rahmen einer Pilotphase die 2 ersten PatInnen in einer Patenschaft engagiert. Bereits Ende November 2016  interessierten sich nach einem ersten Informationsanlass zusätzlich 11 Personen ernsthaft für eine Patenschaft. Im Anschluss an die beiden Informationsveranstaltungen von 2017 meldeten sich weitere 16 Personen als potentielle PatInnen an.
    Im Verlauf des Jahres wurden mit 20 Personen Einzelgespräche geführt. Alle entschlossen sich darauf, sich aktiv im Projekt einzusetzen. Aus privaten Gründen oder zum Teil  nach missglückter oder abgebrochener Patenschaft  zogen sich dann bis Ende Jahr 6 PatInnen aus dem Projekt zurück. Ende 2017 bestand unser PatInnen-Pool aus 16 Personen.
  • UMA: In den allermeisten Fällen wurden uns die UMA von den Beiständinnen des Vereins KUMA zugewiesen, nachdem sie für jeden Jugendlichen die Indikation und die Motivation für eine Patenschaft abgeklärt hatten. Die Bezugspersonen der jungen Asylsuchenden in ihren jeweiligen Wohnheimen wurden in diesen Prozess eingebunden. Vereinzelt erhielten wir direkte Anmeldungen von Wohnheimen oder externen Betreuungspersonen, welche vom Projekt PUMA gehört hatten.
    2 UMA waren bereits seit Sommer 2016 im Rahmen der Pilotphase in eine Patenschaft eingeschlossen worden. Nach einer Vorstellung unseres Patenschaftsprojektes im Erlenhof im November 2016, zeigten  im selben Jahr bereits 5 UMA  Interesse für dieses Angebot. Das Projekt wurde im Februar 2017 auch  in einem Jugendwohnheim in Seltisberg vorgestellt.
    2017 wurden uns insgesamt noch  25 UMA zugewiesen. 5 der ganzen Kohorte waren junge Frauen, wovon 2 aus Somalia stammten. Die übrigen 27 waren junge Männer. 12 der neuen Angemeldeten stammten aus Afghanistan, 18 aus Eritrea. Abgesehen von 3 bereits volljährigen Jugendlichen, waren alle zur Zeit ihrer Anmeldung minderjährig.
    Insgesamt wurde 2017 mit 20 jungen Asylsuchenden ein Einzelgespräch geführt. Nach den Gesprächen verzichteten 4 Jugendliche grundsätzlich auf eine Patenschaft. 2 Jugendliche zogen sich im Verlauf des Jahres definitiv aus einer mehrmonatigen Patenschaft zurück. Alle anderen wurden vermittelt oder warten auf eine optimale Patenperson.
    Ende 2017 zählte unser UMA-Pool 26 jugendliche Asylsuchende.
  • Patenschaften: 2017 wurden insgesamt 17 neue Patenschaften aufgegleist. 2 Patenschaften bestanden bereits seit Sommer 2016. Eine davon wurde nach 8 Monaten auf Wunsch des UMA abgeschlossen. Von den 17 neuen Patenschaften wurden 5 nach unterschiedlicher Laufzeit abgebrochen, 4 auf Wunsch des UMA, 1 auf Wunsch der Patin. Als Ursachen wurden persönliche Inkompatibilität, unterschiedliche  Erwartungen  von UMA und Pate, Überbelastung des Paten oder neue Prioritäten des UMA genannt.
    Ende 2017 waren 13 Paten oder Patinnen mit 13 UMA in einer aktiven Patenschaft engagiert.
  • Fazit: Die Mehrzahl der gebildeten  Patenschaften sind geglückt. Es haben sich zum Teil enge Beziehungen geknüpft, von welchen sowohl  UMA als auch  PatInnen profitieren. Abbrüche  gehen zum grössten Teil von den Jugendlichen aus. Eine Erklärung könnte die ungenügende Information der UMA im Vorfeld oder ein mangelhaftes Verständnis der Patenschaftsidee sein. Integration im Rahmen von Freizeitaktivitäten steht bei den UMA selten im Vordergrund. Ihre Ziele sind leistungs- und berufsorientiert. Mit Erreichen der Volljährigkeit der jungen Flüchtlinge werden sich die Patenschaften vermehrt auf diese Ziele ausrichten müssen. Andererseits wünschen sich viele Jugendliche einen Familienanschluss. Dieses Angebot fehlt uns weitgehend. Schliesslich besteht zurzeit ein Missverhältnis zwischen der Anzahl junger an einer Patenschaft interessierter Asylsuchender und dem Patenangebot. Um ein optimales Zweierteam zu finden muss der Patenpool dringend erweitert werden.
  • Erfahrungsaustausch:   Im Mai und November 2017 fanden je ein Austauschtreffen für unsere Patinnen  und Paten statt. Eingeladen waren zudem die Beiständinnen von KUMA, eine Vertreterin des Erlenhofs,  ein Mitglied einer Pflegefamilie und zwei Fachpersonen.  Kernstück der Abende bildeten zwei Fachreferate:  eines  über die unterschiedlichen Niederlassungs-bewilligungen der Asylsuchenden, das andere  über Flucht und Trauma. Der Beizug von Fachpersonen und der anschliessende unkonventionelle Erfahrungsaustausch beim  Apéro fanden einen grossen Anklang.
    Regelmässige ähnliche Veranstaltungen wurden gewünscht und sollen mindestens 2mal jährlich durchgeführt werden.
    Ausserdem wurde das bisherige Coaching der Patenschaften durch PUMA geschätzt, aber das Bedürfnis nach einer proaktiven Begleitung betont.

3. Finanzen

BUDGET UND FINANZBEDARF

Der Finanzbedarf wurde für die Jahre 2018 – 2022 ausgewiesen. Die Aktivitäten von PUMA werden umfangreicher und der Informationsbedarf unserer Partner und Partnerinnen werden zunehmen. Es müssen Kommunikationskanäle aufgebaut und auch finanziert werden. Der Finanzierungsbedarf übersteigt die Möglichkeiten der Finanzierung von PUMA  aus eigener Kraft. Im Wesentlichen finanzieren wir uns über den Mitgliederbeitrag. Die Sulger – Stiftung, Basel, hat uns in verdankenswerter Weise einen namhaften Beitrag an unsere zukünftigen Aufwendungen gesprochen

 

FINANZBEDARF PUMA 2018 – 2022

 

2018 2019 2020 2021 2022
Einnahmen
Mitgliederbeiträge 480 640 800 960 1120
Übrige Einnahmen 50 50 50 50 50
Total Einnahmen 530 690 850 1010 1170
4250
Ausgaben
Spesen 500 800 800 800 800
Auszug Strafregister 750 400 300 200 200
Homepage 1000 1000 1000 250 250
Drucksachen, Broschüren 700 500 500 500 500
Referenten 600 600 600 600 600
Jahresbericht/ Buchhaltung 700 700 700 700 700
berufliche Integration 500 500 500 500 500
Übrige Ausgaben 500 500 500 500 500
Total Ausgaben 5250 5000 4900 4050 4050
23250
Finanzbedarf -4720 -4310 -4050 -3040 -2880

 

JAHRESRECHNUNG 2017

Das von Innovage Nordwestschweiz zur Verfügung gestellte Startkapital (=EK 0) betrug Fr. 1’580.80. Der grösste Ausgabenposten war für Informationsveranstaltungen. Die Kosten der Administration ergaben vor allem der Beginn des Aufbaus einer Homepage und die Grafik- und Druckkosten für Flyer und anderes Informationsmaterial.

Da wir im Aufbau von PUMA sind, werden grössere Ausgaben für Homepage, Drucksachen, Informationsveranstaltungen und Weiterbildungen in den nächsten Jahren auf uns zukommen. Dafür wurden entsprechende Rückstellungen vorgenommen.

 

Aktiv Bilanz                                                            Passiv
Postfinanz 20’812.00 TransPassiven         721.85
  TransAktiv        80.00 Rückstellungen 18’500.00 18’500.00
EK(0) 1’580.80
Aktivüberschuss 89.35
= EK(1) 1’670.15
20’892.00 20’892.00

 

 

Aufwand Erfolgsrechnung                                      Ertrag
Infoveranstaltungen 1’218.75 MitgliederE 480.00
Weiterbildung ./. Drittbeiträge 20’039.00
Administration 710.90
Rückstellungsaufwand 18’500 ao Ertrag
Summe 20’429.65 20’519.00
Ertragsüberschuss 89.35
20’429.65 20’429.65

 

4. Interne Organisation

Im vergangenen Jahr wurden die verschiedenen internen Prozesse diskutiert und festgelegt wie: Das Eignungsgespräch mit potentiellen Paten und UMAS, das Aufgleisen, die Betreuung und das Ende einer Patenschaft, der Umgang mit vertraulichen Daten, etc.

Zudem wurden die entsprechenden Dokumente wie die Patenschaftsvereinbarung und der Verhaltenskodex für Paten erarbeitet. Seit Ende 2017 verlangen wir von allen Paten auch einen Auszug aus dem Strafregister inklusive dem Sonderprivatauszug.

Die wichtigsten Dokumente des Vereins werden in einer passwortgeschützten Datenbank gespeichert, zu welcher nur der Vorstand Zugang hat.

5. Ausblick

Im Vergleich zum Jahr 2016 ist der Zustrom von jugendlichen Asylbewerbern stark zurückgegangen. Einerseits bleibt die ganz grosse Mehrheit in Griechenland, Libyen oder der Türkei hängen, andrerseits nimmt der Kanton BL temporär weniger UMA auf. Die bestehenden UMA erreichen bald das 18. Altersjahr und damit die Volljährigkeit. Die intensive Betreuung durch Beistände und Bezugspersonen in Wohnheimen entfällt dann zum grössten Teil. Gleichzeitig sollten sie ihr selbständiges Wohnen und ein berufliches Weiterkommen organisieren. Anlässlich eines Strategieseminars haben wir deshalb beschlossen, einerseits „unsere UMA“ über das 18. Altersjahr hinaus zu betreuen – in dieser Phase haben sie einen vertrauensvollen Umgang mit den PatInnen speziell nötig –  und andrerseits unseren Vorstand durch Herr Ruedi Meier als Spezialisten auf dem Gebiet der praktischen Berufsbildung zu verstärken. Der Bedarf für Patenschaften von Seiten der jugendlichen Asylsuchenden ist weiterhin stark vorhanden, sodass wir uns für weiteres Wachstum ausrichten werden.

Basel, im Februar 2018
Der Vorstand